KehrwertSaugleistung, Verbrauch und Folgekosten nachgerechnet

Leistung

Watt, Pascal, Luftwatt: welche Angabe die Saugleistung beschreibt

Seit die Wattzahl gedeckelt ist, werben Hersteller mit Pascal. Was die Zahlen messen, was sie verschweigen und welche Angaben wirklich vergleichbar sind.

Two black robot vacuums on carpet with kitchen knives taped to their bumpers, power lights lit
Two robot vacuums on carpet by a charging dock, modified with blades taped to their front bumpers.Foto: Dennis van Zuijlekom from Ermelo, The Netherlands · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen

Bis 2017 war die Wattzahl das Verkaufsargument. Seit die EU-Ökodesign-Verordnung 666/2013 Haushaltsstaubsauger auf 900 Watt Nennleistung und 43 kWh im Jahr begrenzt, taugt sie dafür nicht mehr — und an ihre Stelle sind Pascal, Luftwatt und Saugkraftstufen getreten, die jeweils etwas anderes messen.

Dieser Ratgeber sortiert die Angaben: was Unterdruck beschreibt, was Luftstrom beschreibt, warum beide allein nichts über aufgenommenen Staub sagen und welche drei Zahlen Sie tatsächlich nebeneinanderlegen können. Wir messen selbst keine Geräte; alle Rechnungen im Text sind mit Ihren eigenen Zahlen wiederholbar.

Warum die Wattzahl seit 2017 nichts mehr unterscheidet

Die Ökodesign-Verordnung 666/2013 begrenzt Haushaltsstaubsauger seit 2017 auf 900 Watt Nennleistung und 43 kWh Jahresverbrauch; davor galten 1.600 Watt und 62 kWh. Eine aufgenommene Leistung ist damit eine Obergrenze, die alle Geräte einhalten, und kein Unterscheidungsmerkmal mehr.

Das zweite, viel wichtigere Faktum: Das EU-Energielabel für Staubsauger existiert nicht mehr. Die Kennzeichnungsregeln der Delegierten Verordnung 665/2013 wurden aufgehoben, und seither tragen diese Geräte kein Label mit Effizienzklasse, Staubaufnahme und Geräuschangabe. Wer zwei Modelle vergleichen will, hat also keine behördlich normierte Vergleichszahl mehr zur Hand.

Praktisch heißt das: Jede Leistungsangabe auf einer Verpackung ist heute eine Herstellerangabe nach einem vom Hersteller gewählten Verfahren. Das macht sie nicht falsch, aber es macht zwei Zahlen verschiedener Hersteller nicht ohne Weiteres vergleichbar. Deshalb lohnt es, die Angaben zu kennen, die physikalisch definiert sind.

Two black robot vacuums on carpet with kitchen knives taped to their bumpers, power lights lit
Two robot vacuums on carpet by a charging dock, modified with blades taped to their front bumpers.Foto: Dennis van Zuijlekom from Ermelo, The Netherlands · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen
Welche Angabe was beschreibt
AngabeGemessen wirdWas sie nicht sagt
Watt (Nennleistung)Elektrisch aufgenommene LeistungWie viel davon an der Düse ankommt
Pascal (kPa)Unterdruck bei geschlossener ÖffnungWie viel Luft bewegt wird
Luftwatt / Air WattProdukt aus Unterdruck und LuftstromWie es sich mit vollem Behälter verhält
Liter je SekundeLuftstrom bei offener DüseOb die Düse den Staub überhaupt löst

Alle vier werden am Gerät oder am Rohr gemessen, keine am Boden. Die Düse entscheidet darüber, wie viel dieser Leistung tatsächlich Staub bewegt.

Unterdruck und Luftstrom sind zwei Enden derselben Kurve

Ein Gebläse erzeugt den höchsten Unterdruck, wenn gar keine Luft fließt — also wenn die Düse vollständig auf dem Boden abgedichtet ist. Es bewegt die meiste Luft, wenn der Widerstand am geringsten ist, also bei freier Öffnung. Die beworbene Pascal-Zahl steht am einen Ende dieser Kurve, die Liter-je-Sekunde-Zahl am anderen. Im Betrieb arbeitet das Gerät irgendwo dazwischen.

Deshalb ist ein hoher Pascal-Wert auf Teppich nützlich, wo die Düse sich ansaugt und Luft durch den Flor gezogen werden muss, und auf Hartboden weitgehend wirkungslos, wo Krümel vor allem durch Luftstrom und Bürste bewegt werden. Ein Gerät mit sehr hohem Unterdruck und schmalem Querschnitt kann sich auf glattem Boden sogar festsaugen und dadurch schwerer zu schieben sein.

Die praktische Folge: Vergleichen Sie Pascal-Zahlen nur zwischen Geräten derselben Bauart und nur, wenn beide Hersteller dieselbe Messstelle angeben. Sobald ein Hersteller am Motor misst und der andere am Rohrende, stehen zwei Zahlen nebeneinander, die nicht dieselbe Größe sind.

  • Hartboden: Luftstrom und Düsengeometrie entscheiden, Unterdruck ist zweitrangig
  • Kurzflor: beides zusammen, mit Vorteil für eine angetriebene Bürste
  • Hochflor: hoher Unterdruck plus Elektrobürste, sonst bleibt Sand im Flor
  • Polster und Matratze: schmale Düse, weil derselbe Unterdruck auf kleinerer Fläche wirkt
  • Volle Behälter und zugesetzte Filter senken beide Werte, gemessen wird aber am sauberen Gerät

Filterrückhalt in Prozent: die Zahl mit der klarsten Aussage

Ein Staubsauger bläst alles wieder aus, was er nicht zurückhält. Diese Angabe ist als Prozentwert definiert und deshalb die am besten vergleichbare Zahl auf der Verpackung. Rechnen Sie sie in Durchlass um, dann wird der Unterschied greifbar: Ein Filter mit 99,5 Prozent Rückhalt lässt 5 von 1.000 Partikeln durch, einer mit 95 Prozent lässt 50 durch — zehnmal so viele.

Zwischen 99,9 Prozent und 99,95 Prozent liegt in derselben Rechnung der Unterschied zwischen 1 und 0,5 Partikeln je 1.000. Das ist in Haushalten mit Allergien relevant und sonst kaum. Wichtiger ist, dass das Gehäuse dicht ist: Ein hervorragender Filter in einem undichten Gehäuse hält nichts zurück, weil die Luft daran vorbeiströmt.

Der zweite Teil dieser Angabe ist das Wechselintervall. Ein Filter, der nach 12 Monaten getauscht werden soll und nach 36 Monaten noch im Gerät sitzt, arbeitet nicht mehr mit dem Prozentwert von der Verpackung. Zu den 8,00 € je Filter aus unserer Kostenrechnung gehört deshalb ein Datum im Kalender.

Rückhalt in Prozent, umgerechnet auf 1.000 Partikel
RückhaltGeht durch je 1.000 PartikelVergleich zu 99,5 Prozent
95 Prozent50zehnmal so viel
99 Prozent10doppelt so viel
99,5 Prozent5Referenz
99,95 Prozent0,5ein Zehntel

Die Umrechnung ist reine Arithmetik und gilt nur für die Partikelgröße, auf die sich die Herstellerangabe bezieht. Sie ersetzt keine Messung an Ihrem Gerät.

Large automated floor-cleaning machine with a wide squeegee and amber beacon working along an office corridor
A commercial cleaning robot scrubs corridor carpet, with a warning beacon so passers-by notice it coming.Foto: Ryan McBride · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen

Leistung über die Jahre: der Akku ist die eigentliche Kurve

Bei Akkugeräten und Robotern verliert die Leistung nicht an Watt, sondern an Minuten. Eine Zelle, die nach 500 Ladezyklen noch 80 Prozent ihrer Anfangskapazität hat, verwandelt 60 Minuten Laufzeit in 48 Minuten. Bei fünf Fahrten in der Woche sind 500 Zyklen nach rund 2 Jahren erreicht — das ist der Zeitpunkt, an dem Nutzer die Saugleistung für gesunken halten, obwohl nur die Laufzeit kürzer wurde.

Dieselbe Rechnung in Fläche: Bei angenommenen 2 m² je Minute deckt das Gerät im ersten Jahr 120 m² je Ladung ab und nach 500 Zyklen noch 96 m². Für eine Wohnung mit 90 m² bedeutet das weiterhin einen Durchgang; für eine Wohnung mit 110 m² bedeutet es ab diesem Punkt zwei Durchgänge mit einer Zwischenladung von rund 3 Stunden.

Die zweite Alterungskurve betrifft die Bürste. Eine Walze, deren Borsten sich abgelegt haben oder die dauerhaft mit Haaren umwickelt ist, löst Staub nicht mehr aus dem Flor. Dieser Verlust ist auf keinem Datenblatt zu finden und in der Praxis größer als der Unterschied zwischen zwei Pascal-Angaben.

Was Sie in 10 Minuten selbst prüfen können

Drei einfache Prüfungen ersetzen die fehlende Vergleichszahl besser als jede Verpackungsangabe, und alle drei funktionieren im Laden oder in den ersten Tagen nach der Lieferung. Sie prüfen Dichtigkeit, Düsenverhalten und die tatsächliche Laufzeit unter Ihrer Arbeitsweise.

Notieren Sie die Ergebnisse, bevor das Rückgaberecht abläuft. Bei Fernabsatzkäufen bleiben dafür in der Regel 14 Tage, und eine Woche gemessener Alltag sagt mehr als jedes Datenblatt.

  1. Düse auf die Handfläche setzen und loslassen: Hält das Gerät sie kurz, ist der Weg dicht
  2. Gerät auf Hartboden über eine Handvoll Grieß schieben und schauen, ob die Düse ihn vor sich herschiebt
  3. Auf Teppich prüfen, ob sich die Düse noch schieben lässt, ohne dass die Walze blockiert
  4. Mit der Stoppuhr die Zeit messen, bis der Akku auf Arbeitsstufe leer ist, und in Quadratmeter umrechnen
  5. Nach einer Woche den Filter ansehen: Eine gleichmäßig graue Fläche spricht für gleichmäßigen Luftweg
Large red horse-drawn vacuum plant on cast wheels, lettered in gold, displayed in a museum gallery
An early vacuum plant that stayed outside while hoses ran through the building, now a museum exhibit.Foto: Unknown authorUnknown author · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen

Vor dem Kauf

  • Prüfen, ob die Pascal-Angabe beider Geräte an derselben Stelle gemessen wurde
  • Filterrückhalt in Prozent in Partikel je 1.000 umrechnen, bevor Sie zwei Modelle vergleichen
  • Wechselintervall des Filters notieren und als Termin eintragen
  • Laufzeit auf der real genutzten Stufe stoppen statt die Verpackungsangabe zu übernehmen
  • Die Laufzeit mit Ihrem eigenen Flächentempo in Quadratmeter je Ladung umrechnen
  • Einen Kapazitätsverlust von rund 20 Prozent nach 500 Ladezyklen einplanen
  • Bürstenwalze auf Haare prüfen, bevor Sie dem Gerät nachlassende Leistung zuschreiben

Häufige Fragen

Ist ein Gerät mit 25 kPa doppelt so stark wie eines mit 12 kPa?
Nicht in der Reinigungswirkung. Der Pascal-Wert beschreibt den Unterdruck bei geschlossener Öffnung, also einen Punkt am Rand der Kennlinie. Im Betrieb entscheidet das Zusammenspiel aus Unterdruck, Luftstrom und Düse. Doppelter Unterdruck bedeutet weder doppelten Luftstrom noch doppelte Staubaufnahme, er hilft vor allem im tiefen Flor.
Warum gibt es kein Energielabel mehr für Staubsauger?
Weil die Kennzeichnungsregeln der Delegierten Verordnung 665/2013 aufgehoben wurden; die Produktseite der Europäischen Kommission hält ausdrücklich fest, dass diese Geräte kein Energielabel mehr tragen. Die Ökodesign-Anforderungen der Verordnung 666/2013 mit 900 Watt und 43 kWh im Jahr gelten weiter — es fehlt also die Vergleichsskala, nicht die Regulierung.
Nimmt die Saugleistung mit der Zeit ab?
Beim Netzgerät selten durch den Motor, fast immer durch Filter, Beutel und zugesetzte Wege. Beim Akkugerät sinkt nicht die Leistung, sondern die Laufzeit: 80 Prozent Restkapazität nach 500 Ladezyklen machen aus 60 Minuten noch 48 Minuten. Wer den Filter im Intervall wechselt und die Bürste freihält, verliert in beiden Fällen am wenigsten.
Welche Angabe soll ich nehmen, wenn ich nur eine vergleichen kann?
Die nutzbare Laufzeit in Minuten auf der Stufe, die Sie tatsächlich benutzen, zusammen mit Ihrer eigenen Fläche je Minute. Diese Kombination beantwortet die einzige Frage, die im Alltag zählt: Schafft das Gerät Ihre Wohnung in einem Durchgang? Pascal und Watt beantworten diese Frage nicht.

Quellen

  1. Europäische Kommission — Ökodesign und Energielabel, Produktgruppe Staubsauger: Kennzeichnungsregeln 665/2013 aufgehoben, Grenzwerte 900 W und 43 kWh seit 2017 — geprüft am 2026-11-03
  2. Europäische Kommission — EU-Energielabel und Ökodesign, Produktgruppe Lichtquellen (Beispiel für eine Gruppe mit gültigem Label von A bis G) — geprüft am 2026-11-03
  3. § 438 BGB — Verjährungsfristen für Mängelansprüche, gesetze-im-internet.de — geprüft am 2026-11-03

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